"Mut statt Hetze"

Veranstaltungsreihe zur Stärkung der demokratischen Jugendarbeit in Stadt und Land

Worum geht es uns?
Unsere Veranstaltungsreihe soll sich an all jene richten, die in ihren Wohnorten und Lebensumfeldern engagiert sind und die gemeinsam mit anderen und Expert*innen in Austausch kommen wollen. Als Jugendringe wollen wir dabei auch besonders Jugendliche einladen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Unsere Fragen dazu sind:
Wie kann Demokratie im Alltag gelingen und wie können wir demokratische Entscheidungsprozesse anregen?
Welche Kompetenzen brauche ich, um wirkungsvoll rechten Parolen entgegen treten/ entgegnen zu können? Wie können wir Angriffen auf unsere demokratische Arbeit begegnen?

Eine Kooperation des Stadtjugendring Leipzig e.V. & Kinder- und Jugendring Landkreis Leipzig e.V.
Mit unserer gemeinsamen Veranstaltungsreihe wollen wir Möglichkeiten zum Austausch, zur Kooperation und zur Vernetzung zwischen engagierten Menschen aus der Jugend(verbands)arbeit in Leipzig sowie im Landkreis Leipzig schaffen.

Übersicht der Veranstaltungen

1) Thementag: Demokratie, Politik und Rechtspopulismus
Ort: Dorf der Jugend, Grimma – 08.09. 10.00 – 17.00 Uhr – u.a. mit und Ina Lorenz (Werkstatt junge Demokratie, Kulturbüro Sachsen)
Einführung, inhaltlicher Impulsvortrag, Thementische & Vorstellung des Projekts „Dorf der Jugend“

2) Abendveranstaltung: Mitbestimmung leicht gemacht - Methoden der Demokratiebildung
Ort: Leipzig, 27.09 – Ildiko Jahn (Jugendbildnerin, langjährige Erfahrungen beim NDC und in der Jugendverbandsarbeit)

3) Abendveranstaltung: Was tun gegen Stammtischparolen?
Ort: Bad Lausick – 24.10 – Susanne Feustel (Kulturbüro Sachsen) angefragt

4) Thementag: Betzavta – Miteinander - Ein Bildungskonzept zur Demokratie-, Toleranz- und Menschenrechtserziehung
Ort: Leipzig 17.11 -  ganztätig

5) Abendveranstaltung: Aktiv werden, agieren statt reagieren – Demokratische Zivilgesellschaft stärken
Ort: Leipzig SJR Gst, 29.11 - Moderation: Andreas Rauhut & Frederik Schwieger
Was können wir tun? Wie können wir uns einbringen? Ausblick auf Superwahljahr 2019

Anmeldung für "Betzavta-Tag Demokratisch arbeiten – handeln – entscheiden"

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Mut statt Hetze“ wollen wir uns einen ganzen Tag lang mit dem in der israelischen Friedenspädagogik entwickelten Trainingsprogramm „Betzavta“ beschäftigten.

Ziel ist es, Menschen für Konflikte und deren Ursachen zu sensibilisieren und sich gemeinsam auf den Weg demokratischer Entscheidungsprozesse und gewaltfreier Konfliktlösungen zu begeben. Dabei steht die Anerkennung des gleichen Rechtes auf Freiheit für alle Menschen im Mittelpunkt. »Miteinander« - die deutsche Übersetzung des hebräischen Wortes »Betzavta« - beschreibt das Ziel dieses Trainingsprogramms daher sehr genau: Durch meist spielerische Übungen werden auf sehr eindrucksvolle Weise demokratische Prinzipien für den Alltag erfahrbar gemacht.
Der Schwerpunkt unseres Tages liegt auf dem Thema: Ich bin gefragt!

Unser Betzavta-Tag richtet sich an Ehrenamtliche, Engagierte und Multiplikator*innen aus der Jugend(verbands)arbeit, Offenen Jugendarbeit und Jugendinitiativen. Es sind noch Plätze frei - also meldet euch gerne bei uns.

Los geht es am Samstag, den 17.11.2018, um 10.00 Uhr (bis ca. 16 Uhr) in der SJR Geschäftsstelle. Ein Teilnehmer*innenbeitrag wird nicht erhoben.

Rückblick zur dritten Veranstaltung "Was tun gegen Stammtischparolen"

Wie geht man mit Aussagen um, die rassistisch, sexistisch oder anderweitig diskriminierend sind? In einem Stammtischparolen-Workshop wurde diese Frage aus verschiedenen Perspektiven, mit den Teilnehmenden, diskutiert.

Am Abend des 24.10.2018 fand im Kinder-und Jugendring Landkreis Leipzig e.V. die dritte Veranstaltung der „Mut statt Hetze“ Reihe statt. Gemeinsam mit Susanne Feustel, vom Kulturbüro Sachsen e.V, gewannen die Teilnehmenden einen Einblick wie man gegen diskriminierende Aussagen und Handlungen in Aktion treten kann. Andreas Rauhut, Geschäftsführer des KJRS Leipziger Land, leitete den Abend mit einem Rückblick zu vergangenen, sowie zukünftigen Veranstaltungen der „Mut statt Hetze Reihe“ ein.

Die erste Workshop-Phase

Anschließend stellte sich die Referentin Susanne Feustel vor. Sie arbeitet für das Kulturbüro Sachsen e.V. im Bereich der Erwachsenen- und Bildungsarbeit. Normalerweise dauert so ein Stammtischparolen- Workshop mindestens ein Tag. Dementsprechend hatte sie viel an Material parat. Zu aller Erst gab sie ein Input zur Ideologie der Ungleichwertigkeit. Das war ein Überblick von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wie z.B. Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie. Diese Begriffe wurden kritisch betrachtet und nicht als  ein vollkommenes Konzept gesehen. Anschließend gewannen die Teilnehmenden einen Überblick von rechten Gruppierungen und Strategien. Dazu zählten unter anderem Neonazi-Parteien, die Identitäre Bewegung und PEGIDA.  Nach dem theoretischen Teil, ging es mit praktischen Übungen weiter.

Die zweite Workshop-Phase

Die Teilnehmenden sollten sich vorstellen, dass sie als Sozialpädagoge oder Sozialpädagogin in einem Jugendclub arbeiteten. Eines Tages kommt ein Jugendlicher mit der T-Shirt Aufschrift „Nationaler Sozialist“ in dem hiesigen Jugendclub. Wie würdest du reagieren? Dafür hatten die Teilnehmenden kurz Zeit mit den Nachbarn darüber zu diskutieren. Danach wurden in der großen Gruppe die verschiedenen Ebenen diskutiert. Die Mehrheit der Teilnehmenden entschieden sich dafür ihn entweder rauszuschmeißen oder mit ihm ein vertrauliches Gespräch zu führen, um seine Art sich anzuziehen zu hinterfragen. Die Betroffenenperspektive sollte nicht außer Acht gelassen werden, es könnten sich schließlich Menschen ausgegrenzt oder verletzt fühlen, wenn sie merken, dass solches Verhalten toleriert wird. In der zweiten Übung sollten sich die Teilnehmenden vorstellen auf der Geburtstagsfeier ihres Opas zu sein. Sämtliche Familienmitglieder sind eingeladen. Die Aussage „Alle Ausländer sollten abgeschoben werden.“ fällt am Tisch. Erneut die Frage: Wie würdest du reagieren? Was für Strategien würdest du anwenden? Die Teilnehmenden tauschten sich am Buffet aus. In der großen Runde wurden die verschiedenen Lösungen für diese Situation vorgestellt. Die Referentin konnte uns zeigen, dass wir solche Aussagen mit ganz vielen wahren Fakten widerlegen können. Dazu gibt es viele Argumentationshilfen im Internet. Natürlich besteht die Möglichkeit seiner Unmut Luft zu machen, ohne in eine lange Diskussion zu enden.

Die abschließende Zusammenfassung von Argumenten

Zum Abschluss zeigte uns Susanne Feustel eine Tabelle die strukturiert darstellte welche Formen von Positionierungen es gibt. Es gibt die Möglichkeit des Argumentierens, des Hinterfragens, der Gegenstimmung forcieren d.h. der Person spiegeln, dass weiter Widerspruch besteht, die Konversation zu unterbinden oder das Ganze mit Humor begegnen. Es gibt noch weitere Möglichkeiten. Es ist jedoch wichtig immer mögliche Betroffene im Blick zu behalten, damit diese nicht verletzt oder angegriffen werden. Im Anschluss hat sich die Referentin Feedback von den Teilnehmenden geholt. Leider war es viel zu kurz. Die Teilnehmenden hätten sich gerne ein, zwei Tage dafür Zeit genommen um intensiv sich mit dem Thema zu befassen. Der Workshop wurde positiv aufgenommen.    

Rückblick zur zweiten Veranstaltung "Mitbestimmung leicht gemacht - Methoden der Demokratiebildung"

Das war der zweite Themenabend der Mut statt Hetze Veranstaltungsreihe. Im Gesetz ist verankert dass Kinder ein Recht auf Beteiligung haben. Wie sieht diese Beteiligung aus? Wie wird Mitbestimmung leichtgemacht? Diese und weitere Fragen versuchten wir gemeinsam mit Ildiko Jahn herauszufinden. Dabei haben wir uns ausgetauscht zu verschiedenen Methoden der Demokratiebildung im Verein.

Am 27.09.2018 lud der Stadtjugendring Leipzig e.V.  und der Kinder- und Jugendring Landkreis Leipzig e.V. die Expertin Ildiko Jahn ein. Sie ist Erziehungswissenschaftlerin und seit vielen Jahren in der Jugendverbandsarbeit aktiv. Die Veranstaltung war frei zugänglich für Ehrenamtliche und Interessierte. Durch ein Input von Ildiko startete der Abend um 18 Uhr. Wir haben verschiedene Formen von Beteiligung diskutiert. Es gibt 3 Arten. Die offene, die projektorientierende und die repräsentative Beteiligung. Diese können unterteilt werden in lebensweltorientiert oder systembezogen, also auf institutioneller Basis. Dabei sind wir in verschiedenen Bereichen der Organisation eingegangen. In einigen Jugendverbänden gibt es bspw. den Zeltlagerrat. Die Kinder und Jugendlichen versammeln sich während einer Freizeitfahrt an einem zentralen Platz und entscheiden was es zum Beispiel zum Frühstück gibt. Dann gibt es noch die Vollversammlungen. Alle Mitglieder eines Jugendverbandes kommen zusammen um wichtige Entscheidungen zu treffen und Projekte vorzustellen. Auf kommunaler Ebene gibt es das Jugendparlament. Es wurde das Für und Wider dieser Institution diskutiert. Der rechtliche Rahmen wurde von Ildiko beleuchtet. In der sächsischen Gemeindeordnung steht dass Kinder das Recht haben sich zu beteiligen. Doch das Gesetz ist allgemein und hat keine konkreten Beispiele für Mitbestimmung. Diese können vielfältig sein.

Durch viele Illustrationen wurden uns Methoden der Demokratiebildung anschaulich erläutert. Anschließend fand sich noch viel Raum und Zeit anhand von konkreten Fallbeispielen sich auszutauschen und Inspirationen zu bekommen für die eigene ehrenamtliche Arbeit. Es kam zum Austausch der Jugendlichen, die Mitglied bei verschiedenen Jugendverbänden sind. Die Vernetzung ist uns sehr wichtig und dies ist es auf dieser Veranstaltung gelungen. Unter Anleitung von Ildiko Jahn kamen die Teilnehmenden ins Gespräch und es wurden Fragen beantwortet.

Rückblick zum ersten Thementag zu Demokratie, Politik und Rechtspopulismus

Rechtspopulismus und Demokratie sind nicht miteinander vereinbar. Nun stellt sich die Frage: Welche Kompetenzen sind von nötig, um wirkungsvoll Gewalt und Diskriminierung entgegen zu wirken?

Mut statt Hetze - so heißt die 5-teilige Veranstaltungsreihe mit dem Untertitel ‚Zur Stärkung der demokratischen Jugendarbeit in Stadt und Land‘. Die Veranstaltung organisierte der Stadtjugendring in Kooperation mit dem Kinder-und Jugendring Landkreis Leipzig e.V. Ehrenamtliche, Engagierte und Multiplikator*innen der Jugend(verbands)arbeit, der Offenen Jugendarbeit sowie Jugendinitiativen sollen erreicht werden. Das ist eine großartige Möglichkeit um sich zu vernetzen, da verschiedene Vertreter*innen aus Sachsen teilnehmen und so überregional Kontakte geknüpft werden.

Der Auftakt fand im Dorf der Jugend, auf dem Gelände der Alten Spitzenfabrik, in Grimma statt. Der Veranstaltungsort wurde bewusst in der Kreisstadt Grimma gewählt, um den ländlichen Raum nicht auszublenden und Diskurse auch über die Stadtgrenzen hinauszutragen. Der Thementag stand unter dem Motto ‘Demokratie, Politik und Rechtspopulismus‘. Andreas Rauhut von dem Kinder- und Jugendring Landkreis Leipzig e.V. hat die Veranstaltung eröffnet und gab einen kurzen Input zur aktuellen Lage in Sachsen. Die Teilnehmenden haben anschließend rege diskutiert. Um Expertinnen zu Wort kommen zu lassen, luden die Veranstalter die Referentin Ina Lorenz aus dem Kulturbüro Sachsen e.V. ein. Das Kulturbüro hat es sich zur Aufgabe gemacht, Projekte mit jungen Menschen zu fördern und zu begleiten, die sich Freiräume in der ländlichen Region Sachsen aneignen wollen. Ina Lorenz hat für einen lebendigen Einblick dieser Arbeit, zwei Frauen aus dem Infoladen Limbach-Oberfrohna e.V. mitgebracht. Diese soziale und politische Bildungsvereinigung begleitet Ina Lorenz nun schon seit einigen Jahren. Sie haben über ihre Erfahrungen eines fehlenden und schützenden Raumes in Limbach berichtet und wie sie ihren Verein aufgebaut haben. Alle Teilnehmenden waren sichtlich interessiert und haben die beiden mit vielen Fragen durchlöchert. 

Nach diesem ersten Teil gab es eine Mittagspause. Die Teilnehmenden versorgten sich bei Sonnenschein an einem alten Schiffscontainer direkt an der Alten Spitzenfabrik, welches zu einem Café umfunktioniert wurde. Das Café befand sich an einem Radweg, fünfzig Meter von der Mulde entfernt, sodass auch Radfahrer*innen aus der Umgebung vorbeikommen konnten und somit das selbstverwaltete Gelände auch über seine Grenzen hinaus bekannt wird.

Nach der knapp einstündigen Pause bestand die Möglichkeit sich an Thementischen auszutauschen. Besonderes Interesse gab es zu den Bereichen „Stärkung und Beispiele für Jugendbeteiligung“ und was die Aufgaben und Tätigkeiten eines Jugendrings sind.  Zum Abschluss gab es eine Führung durch die Alte Spitzenfabrik. Die Teilnehmenden erfuhren von der Geschichte des Gebäudes und dem Projekt „Dorf der Jugend“.  Die Alte Spitzenfabrik ist ein toller Veranstaltungsort, der leider von außen viel zu wenig genutzt wird. Das „Dorf der Jugend“ schafft eine für Jugendliche freiwillig nutzbare, offene, sowie attraktive Struktur der Kultur- und Jugendarbeit in Grimma und war somit der perfekte Ort für eine Veranstaltung, die Wege hin zu einer offenen, vielfältigen und solidarischen Gesellschaft sucht.

Es war ein gelungener Austausch und die kommenden Veranstaltungen werden genau so vielversprechend sein.

Von unserem Thementag hat Ramla, unsere frische FSJlerin berichtet.