Neues aus dem Stadtjugendring

Auch in Corona Zeiten: Jugendhilfe behutsam und zielgerichtet weiterentwickeln

Der Stadtjugendring Leipzig e.V. unterstützt die gemeinsamen Erhöhungsanträge des Jugendhilfeausschusses zum kommenden Doppelhaushalt der Stadt Leipzig 2021/22.

Geprägt durch die Erfahrungen im Corona Jahr ist es das erklärte Ziel der Stadtspitze sowie des Jugendhilfeausschusses, dass Kürzungen oder sogar Streichungen im Haushalt verhindert werden - dies gilt im besonderen Maße für die Kinder- und Jugendförderung. Um dies umzusetzen, beabsichtigt die Stadtverwaltung im Gesamthaushalt eine Dynamisierung des Budgets von ca. 1%. Wir müssen allerdings feststellen, dass dies keinesfalls den sich abzeichnenden regulären Kostensteigerungen entspricht und damit konkret zu Leistungskürzungen führen würde.

Neben der Sicherung der sich vielfach bewährten Strukturen und Angebote der Leipziger Jugendhilfe möchten wir ein Mindestmaß an neuen und innovativen Projekten die Möglichkeit einer Förderung geben, um so die Jugendhilfe weiterzuentwickeln und auf geänderte Bedarfe durch die Corona-Pandemie reagieren zu können. Gerade vor dem Hintergrund der in der Integrierten Jugendhilfeplanung formulierten Bedarfe und Herausforderungen der Stadt Leipzig, die vor kurzem frisch in das Verwaltungsverfahrenen gegeben wurde. Auch der Stadtrat hatte sich im Juni vergangenen Jahres dem Antrag zur Bildung eines Innovationsbudgets für neue Angebote angeschlossen.

Für uns ist klar: Wir dürfen die Augen nicht vor den Herausforderungen verschließen, sondern brauchen eine Kinder- und Jugendförderung mit Augenmaß! Trotz oder gerade aufgrund der Corona-Pandemie und ihren sich bereits jetzt abzeichnenden gesellschaftlichen Auswirkungen, braucht es eine behutsame und zielgerichtete Fortschreibung des Budgets der Kinder- und Jugendförderung und eine Weiterentwicklung im Sinne der Interessen junger Menschen.

Eine kürzlich erschienene »Jugendstudie zeigt, dass die Erfahrungen in der Corona-Pandemie den jungen Menschen Angst vor der Zukunft machen, sie mit Sorgen auf ihr persönliches Leben und die gesellschaftliche Entwicklung blicken und wenig Gehör finden. Diese Sorgen sind durchaus begründet: Unternehmen bieten weniger Ausbildungsplätze an, Schüler*innen haben durch die psychischen Belastungen Probleme, ihre Leistungen abzurufen und müssen in der Folge fürchten, keinen Ausbildungsplatz zu finden oder die benötigten Abiturnoten für das Studium ihrer Wahl zu verfehlen, leistungsschwächere Schüler*innen müssen gleich ganz befürchten komplett unter die Räder zu geraten. Schon heute wird deshalb teilweise in der Sozialwissenschaft von der „Generation Corona“ gesprochen. Eine abschließende Einschätzung kann noch nicht getroffen werden, bisher zeigt sich jedoch vor allem eins: Die Erfahrungen der Corona-Pandemie werden junge Menschen noch längere Zeit beschäftigen und müssen bewältigt und verarbeitet werden, damit die Krise eben nicht zur prägenden Erfahrung einer ganzen Generation wird. Neben dem Elternhaus gibt es dafür kaum eine verlässlichere Struktur als die Kinder- und Jugendhilfe mit ihren vielfältigen Angeboten und Maßnahmen – in den kommenden Jahren wird daher für die Angebote der Sozialen Arbeit und der Jugendhilfe ein noch größerer Bedarf entstehen.

Nach der enormen Kraftanstrengung zur Bekämpfung der aktuellen Pandemie wird es auch eine enorme Kraftanstrengung zur Bekämpfung der sozialen und emotionalen Folgen der Pandemie benötigen. Eine starke Jugendhilfe muss ein Baustein dieser Kraftanstrengung sein. Kürzungen oder gar Schließungen von Einrichtungen wären in diesem Zusammenhang politisch falsch und ein verheerendes Signal an die Stadtgesellschaft und an junge Leipziger*innen! Im Gegenteil, gerade jetzt, während und nach der Corona-Pandemie braucht es eine gestärkte Jugendhilfe in unserer Stadt und eine finanzielle Ausstattung nach Augenmaß.

Die Anträge zu den Forderungen aus dem Jugendhilfeausschuss der Stadt Leipzig sind im »Ratsinfosystem zur Sitzung des Jugendhifleausschusses am 11.01.2021 zu finden.