Jugendpolitik News

Grußwort des Stadtjugendring Leipzig zur Kundgebung „Jugendarbeit sichern – Zukunft gestalten“ in Dresden

Mit Erschrecken erreichte uns die Nachricht, der drohenden Kürzungen von 5,5 Millionen Euro in der Kinder- und Jugendarbeit in Dresden. Wir sind überzeugt: sie sind politisch falsch und ein verherrendes Signal an die Stadtgesellschaft und an junge Dresdner*innen!

Das Grußwort unseres Geschäftsführers Frederik Schwieger zur Kundgebung „Jugendarbeit sichern – Zukunft gestalten“ am 09.09.2020 in Dresden

Liebe Kolleg*innen,
Liebe Stadträtinnen und Stadträte der Landeshauptstadt Dresden,
Liebe Mitglieder des Jugendhilfeausschusses Dresden,

mit Erschrecken erreichte uns die Nachricht, der drohenden Kürzungen von 5,5 Millionen Euro in der Kinder- und Jugendarbeit in Dresden. Wir sind überzeugt: sie sind politisch falsch und ein verherrendes Signal an die Stadtgesellschaft und an junge Dresdner*innen!

Im Gegenteil, gerade jetzt, während und nach der Corona-Pandemie, braucht es eine starke Kinder- und Jugendarbeit in Dresden, Sachsen und deutschlandweit. Gerade jetzt brauchen junge Menschen weiterhin verlässliche Strukturen und ein vielfältiges Angebot: Ihren Jugendclub um die Ecke, ihre Jugendverbandsgruppe oder die mobile Beratung.

Warum glauben wir, dass Jugendarbeit gerade jetzt so wichtig ist?

Junge Menschen haben unter den Regelungen der Corona-Schutzverordnungen gelitten. Keine Frage, die Verordnungen waren notwendig. Aber sie hatten massive Auswirkungen auf den Alltag junger Menschen. In den vergangenen Monaten konnten Freiräume nicht genutzt werden, Möglichkeiten für soziale Teilhabe, Beteiligung und Bildung waren oder sind noch verschlossen. Die Kontaktbeschränkungen waren besonders einschneidend für junge Menschen. Denn gerade für sie sind soziale Kontakte und das Miteinander immens wichtig. Diese Erfahrungen der letzten Monate werden sie sicher noch einige Zeit beschäftigten und müssen verarbeitet werden. Wo geht das, neben dem Elternhaus, besser als in den verlässlichen Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit?!

Kürzlich wurde eine bundesweite »Studie „JuCo“ der Universität Hildesheim veröffentlicht, zur Frage wie junge Menschen die Corona-Krise erleben. Zwei zentrale Ergebnisse stechen dabei besonders heraus wie wir uns im Lichte der Kürzungsdebatte in Erinnerung rufen sollten:

  1. Junge Menschen sehen nicht, dass sie mit ihren Anliegen in der Gesellschaft Gehör finden
  2. Junge Menschen wollen nicht nur auf die Rolle als Homeschooler*in reduziert werden. Ihr veränderter Lebensalltag und ihre Sorge werden kaum wahrgenommen.

Sollte es zu den geplanten Kürzungen tatsächlich kommen, bestätigt die Stadt Dresden genau die Studienerkenntnisse zum Erleben junger Menschen:

  • Die Interessen und Anliegen junger Menschen sind zweitrangig gegenüber dem Ziel einen ausgeglichenen städtischen Haushalt zu beschließen
  • Es sollen die Angebote gekürzt werden, die immer ein offenes Ohr für junge Menschen haben und sie dabei unterstützen, sich Gehör zu verschaffen
  • Und es sollen Räume geschlossen werden, in denen junge Menschen nicht nur Schüler*innen sein dürfen

Liebe Stadträt*innen & liebe Jugendhilfeausschussmitglieder, das wäre ein verherrendes Signal an die junge Generation!

Wir sagen aus voller Überzeugung: Kinder- und Jugendarbeit ist für das Aufwachsen immens wichtig und damit systemrelevant.

Kinder- und Jugendarbeit allein nach Kassenlage? Das darf nicht sein!

Die Herausforderungen unserer Zeit ist jetzt die gemeinsame Bewältigung der Corona-Krise und ihrer Folgen. Kinder- und Jugendarbeit ist Teil der Lösung und muss eher noch gestärkt, als gekürzt werden. Es ist ansonsten zu befürchten, dass die junge Generation langfristig einen Schaden durch diese Krise und ihre Folgen erleidet!

Liebe Kolleg*innen, wir wünschen Euch einen langen Atem. Zeigt gemeinsam, laut und kreativ, das es so nicht gehen darf. 

Beste Grüße aus Leipzig
Frederik Schwieger

Für den Stadtjugendring Leipzig e.V.