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"Zukunft ist jetzt!"

Die sächsische Jugendhilfe zwei Jahre nach den Kürzungen im Jahr 2010

Pressemitteilung des Kinder- und Jugendrings Sachsen

Vor zwei Jahren, Anfang Februar 2010, wurden die Zuwendungen an freie Träger der Jugendhilfe flächendeckend und mit teilweise über 30 % in einem nie dagewesen Maß gekürzt. Tausenden Menschen gegenüber, die sich auf der Straße gegen die kurzsichtige Politik wandten, wurde seitens der Regierung von Steuerausfällen, Alternativlosigkeit und Verantwortung für künftige Generationen gesprochen. Hinsichtlich der Steuerausfälle zumindest kam es anders. Was jedoch brachten die damaligen fiskalischen Entscheidungen in den Jugendhilfestrukturen?


Den sächsischen Kommunen fehlen seitdem weit über hundert Stellen und damit engagierte, motivierte und kompetente Männer und Frauen, die jungen Menschen Begleiter und Ratgeber waren oder jugendliche Entwicklungen beobachteten und Maßnahmen dort ergriffen, wo sie nötig schienen.
Die Einschnitte nehmen den freien Träger weitestgehend die Möglichkeiten, ihr Personal auf künftige Herausforderungen vorzubereiten, denn es fehlen durch die Kürzungen die Mittel und durch den Wegfall von Stellen die Zeit, sich weiterzubilden, Netzwerke aufrechtzuerhalten, Fachtagungen zu besuchen oder sich notwendigen Entwicklungsprozessen zu stellen. Es fehlen die Ressourcen, um sich für eine bestmögliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu qualifizieren.

Durch seine Haushaltspolitik behindert der Freistaat seine freien Träger beim Einwerben zusätzlicher Mittel von Stiftungen, dem Bund oder verschiedenen europäischen Förderprogrammen. Geld, welches auch der sächsischen Wirtschaft fehlt. Einerseits werden Seminarräume oder Bildungsstätten nicht mehr gebucht, Verpflegung für ein Camp nicht mehr eingekauft, Transportkosten beim öffentlichen Nahverkehr oder privaten Unternehmen nicht mehr ausgegeben oder es fehlt die Kaufkraft der gekündigten Bildungsreferenten oder Sozialarbeiterinnen. Andererseits kritisiert die Wirtschaft bereits heute die mangelnde soziale Kompetenz junger Menschen. Diese Entwicklung wird sich verstärken, wenn immer weniger Angebote im außerschulischen Bereich vorhanden sind und dies, obwohl deren Bedeutung für die Bildung von Kindern und Jugendlichen unbestritten ist.
Es gibt eine verwundernde Diskrepanz zwischen dem Präventionsbestreben der sächsischen Staatsregierung in einzelnen Tätigkeitsbereichen und der auf der anderen Seite geradezu fahrlässigen Kürzungspolitik in anderen, sogenannten freiwilligen Leistungen. Ist es strategisch klug und gut ausgegebenes Geld, wenn die hohen Investitionen in den Kinderschutz nicht in eine darauf aufbauende Politik der Stärkung Jugendlicher mündet, sondern diese zunehmend allein dastehen in einem immer komplexer werdenden Umfeld?

André Schnabel, Vorsitzender des Kinder- und Jugendrings fordert: „Wir brauchen ein Umdenken, ein Nachdenken über die Aufgaben, aber auch die zu ihrer Erfüllung notwendigen Rahmenbedingungen für die Kinder- und Jugendarbeit in diesem Land. Wir bekräftigen in diesem Zusammenhang die Forderungen der „Naunhofer Erklärung des Kinder- und Jugendrings Sachsen“ aus dem Jahr 2010 und unterstützen die im Januar dieses Jahres veröffentlichten „Meißner Thesen zur Jugendarbeit in Ostdeutschland“, die eine Positionsbestimmung zur Jugendarbeit und ihrer Leistungen für die Gesellschaft.“

Zu den bevorstehenden Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2013/2014 sagt Schnabel weiter: „Der Freistaat Sachsen hat Gelegenheit, mit der Gestaltung des künftigen Etats für die Jugendarbeit ein Zeichen für einen solchen Dialog, aber auch ein Bekenntnis für die Zukunft unseres Landes abzugeben, denn Kinder und Jugendliche sind die Zukunft, aber vor allem Gegenwart einer Gesellschaft.“

(c) Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. 2012  http://www.kjrs-online.de