| Bildungswoche des FSJ Politik - Klappe die zweite! |
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| Geschrieben von: Thea |
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2. Seminarfahrt des FSJ-Politik Januar 2012
Nach dem relativ aufregenden Jahresbeginn, geprägt durch die Vorbereitung und Durchführung der Ehrenamtsprojekttage, freute ich mich unheimlich darauf meine FSJ-Kollegen im Rahmen der zweiten Bildungswoche wiederzusehen. Von Dresden aus ging es mit dem Zug nach Görlitz und von dort aus zügig weiter nach Ostritz, wo sich in idyllischer Lage das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal befindet. Um vom Bahnhof, der sich übrigens auf der polnischen Seite der Neiße befindet, zum IBZ zu gelangen, muss mal allerdings ein reichliches Stück Weg zurücklegen. Beim Klostergelände angekommen, erhielten wir einen groben Überblick über das Gelände und bekamen jeder einen Zimmerschlüssel, was im Endeffekt dazu führte, dass ich leider doch nicht mit Sophia in ein Zimmer konnte. Im Nachhinein ist das zwar immer noch schade, aber die daraus entstandene Situation trug sehr dazu bei, andere FSJ’ler besser kennenzulernen, was in jedem Falle positiv zu bewerten ist. Beim Abstellen der Taschen bestaunten wir unsere tollen Zimmer: Fußbodenheizung, genügend Stauraum und ein geräumig wirkendes Bad mit allem, was man so braucht. Mit dem Staunen ging es weiter, als wir uns zum Mittagessen begaben. Wir waren nach dem Fußmarsch natürlich alle hungrig und wurden nicht enttäuscht: Eine Salatbar, lecker Suppe und Kartoffelspalten mir Gyros als Hauptgericht wurde uns von der netten und zu Späßen aufgelegten Küchendame („Wie sagen sie im Altersheim? - Seid ihr alle da? – Ja, aber nicht mehr lange.“) bereit gestellt. Anschließend tauschten wir uns frisch gestärkt über den Stand unserer FSJ-Projekte aus. Einige hatten schon eine Idee, andere bereits eine klare Vorstellung, manche steckten sogar schon in der Planung gleich mehrerer Veranstaltungen, wohingegen andere noch gar nicht so recht wussten, wie sie überhaupt zu einer Projektidee kommen sollen. Vor allem die Freiwilligen aus Ämtern und Verwaltungseinrichtungen sind durch die starren Strukturen sehr eingeschränkt und finden deshalb momentan noch keinen Raum, in dem sie ihre eigenen Ideen verwirklichen können. Ich konnte all jene gut verstehen, die noch nicht so richtig wussten, wo es hingehen soll, weil ich ja selber nur durch Zufall zu einer Aufgabe gekommen bin, die sich als Projekt ausbauen lässt. Danach erfolgte auch schon der thematische Einstieg mit dem Europa-Puzzle der Landeszentrale für Politische Bildung, bei dem vor allem geografische Kenntnisse getestet wurden. Ohne miteinander zu sprechen, mussten wir in 2 Gruppen die einzelnen Länder zu einem vereinten Europa zusammenlegen. Am besten war die Methode, die zur Bildung der 2 Mannschaften benutzt wurde: Jeder durfte sich ein Bonbon aus der „Nimm2“-Tüte nehmen und sich je nach Farbe seiner Gruppe zuordnen. Bei manchen war die Nascherei allerdings im Mund verschwunden, noch bevor sie ihre Farbe wahrnehmen konnten. Weiter ging es unter der Leitung von Herrn Salditt mit einer Methoden-Übungen: Beim „Kugellager“ (einander zugewandter Innen- und Außenstuhlkreis; nach erstem Gespräch rutscht ein Kreis einige Plätze weiter) tauschten wir uns darüber aus, was Europa für uns bedeutet, ob kulturelle Unterschiede der Staatengemeinschaft gut tun, ob eine gemeinsame europäische Sprache sinnvoll wäre und ob man die Türkei in die EU aufnehmen sollte. Nach dem ebenfalls reichhaltigen Abendessen hatten wir Sabine Friedel (MdL SPD) zum Thema „Rechtsterrorismus und NPD-Verbot“ zu Gast im IBZ. Nach einer Schilderung ihrer Eindrucke der politischen Situation und einigen Denkanstößen öffnete sich die Runde für Nachfragen und Diskussionen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Politikerin, die sich auch nach dem offiziellen Programmpunkt noch Zeit genommen hat, um den Redebedarf einiger Seminarteilnehmer abzudecken. Im Anschluss blieb immer noch Zeit für eine Runde Tisch-Kicker und das jetzt schon definitiv zur Tradition gewordene Werwolf-Spiel. Tag 2 Es ist keine Überraschung, dass auch das Frühstück am nächsten Morgen erstklassig war: Kaffe, Milch, Wurst, Käse, Müsli, verschiedenste Marmeladen und Aufstriche – alles was das Herz begehrt, oftmals Bio. Das einzige, was die Woche über ein bisschen fehlte, war das Obst. Aber alles in allem wurden wir extrem verwöhnt. Den inhaltlichen Einstieg in den Tag schaffte wieder Herr Salditt mit der „Zukunftswerkstatt Europa“. In 3 Phasen beschäftigten wir uns aufgeteilt in Gruppen mit allem, was wir an der politischen und finanziellen Lage Europas kritikwürdig finden, wie wir uns ein perfektes Europa in unserer Utopie vorstellen und welche Schritte man gehen könnte, um diesem Idealbild ein Stück näher zu kommen und einige Kritikpunkte zu beseitigen. Am Nachmittag machten wir uns mit Bus und Bahn auf in die Europastadt Görlitz, wo Steffi uns in einem thematischen Rundgang den Hintergrund dieser Bezeichnung erläuterte. Danach hatten wir Zeit für individuelle Erkundungstouren in der Kälte, oder auch für gemütliches Kaffeetrinken, nette Gespräche und das Durchforsten vom Spielzeugläden. Zum Abendbrot trafen wir uns in einer Tapas-Bar wieder und traten anschließend die Heimreise an. Leider fuhr der Bus nicht mehr bis zur gewünschten Haltestelle, was eine unfreiwillige Nachtwanderung zur Folge hatte.
Tag 3 Am Mittwoch schafften wir nach dem Frühstück mehrere Vorträge, darunter Estland, Bulgarien und Rumänien, die fast alle etwas sehr individuelles hatten und vom klassischen Schul-Vortrags-Prinzip abwichen. Paul erzählte beispielsweise mit vielen Fotos von seiner Bagpacker-Tour durch Bulgarien und Marvin und Jule konzentrierten sich bei der Vorstellung Rumäniens vor allem auf Vampire, Folter und Prostitution. Anschließend wurden wir mit 2 Referenten von „planpolitik“ bekannt gemacht, die extra aus Berlin angereist waren. Auf unserem Wochenprogramm standen dazu unter anderem folgende Hinweise zum Tagesverlauf: Planspiel „Finanzkrise“ (Einführung). Planspiel „Aktienmarkt“ und Auswertung (Wie funktionieren eigentlich Aktienmärkte? Welche Faktoren beeinflussen Kursveränderungen?). Input: Finanz- und Wirtschaftskrise - Rückblick und Analyse. Staaten und ihre Finanzen – Was müssen Staaten beim „Haushalten“ beachten? Multimediale Lernstationen... Vielleicht ist es nachvollziehbar, dass ich skeptisch war. Ich hatte mich noch nie besonders damit beschäftigt und mich offengestanden auch nie brennend dafür interessiert. Allerdings waren auch meine Befürchtungen was das Programm anging übertrieben, wie sich herausstellen sollte. Die beiden dynamisch wirkenden Männer brachten erst mal ein bisschen Ruhe in die Gruppe und forderten Aufmerksamkeit ein, was die Atmosphäre meiner Meinung nach deutlich verbesserte. Weiter ging es dann an der Börse. Beim Planspiel „Aktienmarkt“ schlüpften wir in die Rollen unterschiedlicher Unternehmen, welche jeweils mit eigenen und fremden Aktien handelten. In mehreren Phasen konnte am „Trader“-Tisch Unternehmensanteile verkauft und erworben werden und zwischendurch wurde der Kurs aktualisierten und die Börsennews verkündet. Obwohl ich persönlich trotz ausführlicher Einleitung wenig Licht sah, hat die ganze Aktion schon viel Spaß gemacht und man bekam ein Gefühl dafür, wie spekulativ und stressig der tatsächliche Aktienhandel sein kann und welche Faktoren berechen- und beeinflussbar sind. Die meisten hatten das Prinzip zumindest so weit verstanden, dass sie wussten, dass das Verkaufen einer Aktie weit unter ihrem derzeitigen Wert den Kurs zum Einstürzen bringen konnte und machten sich einen Spaß daraus, dies zum Ärger der Aktienhalter auszutesten. Nach dem Mittag betrachteten wir die ganze Thematik ein bisschen theoretischer, aber immer noch sehr ansprechend. Was führte Europa in die Krise? Was waren die Folgen? Wie konnte es so weit kommen? Wie funktioniert das Geschäft mit Schulden und was bewirkt eine antizyklische Finanzpolitik? – Mit netten Präsentationen und Videos konnten die beiden Politik-Theoretiker manches wiederholen, was man in der Schule mal gelernt hatte, einige Wissenslücken schließen, viel Neues vermitteln und Denkanstöße geben. Sehr zu empfehlen ist eines der Videos, das man auch auf Youtube finden kann. Einfach nach „the crisis of credit“ suchen und am besten mit deutschem Untertitel anschauen, da ja doch ein paar Fachbegriffe drin sind, die man nicht unbedingt auf englisch kann ; ] Nach dem Abendessen gab es wieder Diskussionen, ob man die Ländervorträge nicht fakultativ anbieten könnte. Glücklicherweise entschieden wir uns doch für die planmäßige Präsentation, denn Stefanie hatte sich mit ihrem Irland-Vortrag echt Mühe gegeben. Nachdem wir dann den Versuch gestartet hatten, zu traditioneller Musik zu tanzen, waren einige so kaputt, dass sie vor dem „Fernseher“ versackten (thematisch passender Film zu den Bürgerkriegszuständen in Nord-Irland über Beamer an die Seminarraumwand geworfen) und andere waren wieder so munter, dass sie voller Elan gemeinsam trällerten oder sich semi-sportlich betätigten (Tischtennis/Kicker). So fand jeder für sich persönlich einen angenehmen Tagesausklang und viele trafen sich zu einer obligatorischen Runde „Werwolf“ (aus der wie immer mindestens 3 wurden). Das Kaminzimmer, was mehrfach in unserem Wochenplan als Abendgestaltung aufzufinden war, war übrigens für uns gar nicht nutzbar, da es sich noch in der Renovierung befand (Hochwasser und so).
Tag 4 Leider war Donnerstag schon unser letzter richtiger Tag, den wir größtenteils wieder mit „planpolitik“ verbringen durften. Wir zogen alle ein Namensschild und somit unsere Identität für die nächsten Stunden. Denn auch im Planspiel „Staatshauhalt“ waren wir wieder in verschiedene Gruppen unterteilt, die entweder in die Rolle von Gewerkschaftern oder Regierungsmitgliedern schlüpften, die „Rosarische Union“ vertraten oder für eine Rating-Agentur die Kreditwürdigkeit der einzelnen fiktiven Staaten beurteilten. Die Zeit für die Erstellung der Haushaltspläne war knapp bemessen und durch plötzlich und völlig unerwartet eintretende Krisen konnte die ganze Arbeit auf einen Schlaf völlig sinnlos erscheinen, weil man trotz guter Planung vor dem Bankrott stand und die Kreditwürdigkeit von double A zu C rutschte. Die Mittagspause ließ alle ein bisschen aufatmen und hinterher ging es frisch gestärkt in die letzte Phase. Erstaunlicherweise schafften es alle Staaten irgendwie (auf mehr oder weniger realistische Weise), am Schluss ein relativ gutes Rating zu erhalten. Vermutlich auch aufgrund der Extrapunkte für Kategorien wie „Geschlossenheit“, „Kreativität“, „Reformwillen“ und „Kooperationsbereitschaft“. Bei der ausführlichen Auswertung des Planspiels wurde uns dann gesagt, welche realen Staaten für unsere fiktiven Model standen und wir richteten den Blick noch mal auf die aktuelle Situation. Die Wochenauswertung in Bezug auf die ganze Bildungsfahrt schloss sich an und gleichzeitig richteten wir die Gedanken schon wieder in die Zukunft, um ein paar Absprachen für die noch folgenden Seminarwochen zu treffen. Nach dem Abendessen führte uns Jule mit ihrem Beitrag „das Fest des Huhns“ – im Programm getarnt als Vortrag über Österreich – auf eindrucksvolle Art und Weise vor Augen, wie manipulierbar man selbst ist und wie medial mit Klischees und Unwissenheit gespielt wird. Viel öfter sollte man kritisch hinterfragen. An diesem letzten gemeinsamen Abend hatte Nicoles Kollegin ein paar hübsche Spielchen für uns vorbereitet. Mit unseren Sinnen begaben wir uns auf eine Reise durch Europa. Im Klartext bedeutete das, man zog eine Nummer und bekam eine Augenbinde und etwas zum riechen, schmecken oder hören und musste daran das europäische Land erkennen, das gesucht war. Natürlich haben wir auch noch mal ausgiebig gekickert und Tischtennis gespielt (und Moritz ist sogar bis nach 12 wach geblieben ;). Als dann eigentlich alle ins Bett gehen wollten, kam der Einwand, dass wir doch nicht den letzten Abend ohne eine Runde „Werwolf“ ausklingen lassen könnten. „Na guuuut. Eine Runde!!!“. Fast alle ließen sich überreden und wie zu erwarten war, blieb es nicht bei einer Runde. Fatal, wo wir doch am nächsten Morgen zeitiger raus mussten, als die Tage zuvor, um de favorisierten Zug noch zu bekommen. Irgendwie schafften wir es alle in der über Nacht noch eisiger gewordenen Kälte bis zum Bahnhof. Belohnt wurden wir dafür mit Sonnenschein und einer wirklich unterhaltsamen Zugfahrt. Tabu und „Wer bin ich?“ ließen die Zeit extrem schnell vergehen und wieder war ich traurig, alle für einen so langen Zeitraum verabschieden zu müssen.
Danke für die tolle Woche! |